Vergangene Programmschienen

Hier finden Sie die vergangenen Programmschienen des Aktionsradius Wien, ausgehend vom jüngsten Themen-Schwerpunkt, absteigend sortiert. Zum Auftakt 2019 feierten wir "60 Jahre Arena Bar - 10 Jahre "Bar der Künste", von Februar bis April luden wir dann zum "REISEN - in Länder, Welten, Zeiten", im Mai standen Lebensgeschichten und Biografien am Programm sowie im Juni Politik, Literatur und Musik.



   

LEBENSGESCHICHTEN - Menschen, Biografien, Familien

Im Mai widmen wir unser Kulturprogramm interessanten Persönlichkeiten, ihren Lebensgeschichten, Erinnerungen und Biografien. Dies ist unter zwei Aspekten interessant: es zeigt die Einzigartigkeit persönlicher Lebenswege – aber auch Lebensgeschichte als Spiegel der Zeitgeschichte. Hier können Sie den Flyer "Lebensgeschichten" abrufen.

Peter Patzak wird aus seiner Kindheit in der Brigittenau erzählen und mit seiner Frau Eve Joy Patzak die gemeinsame Ausstellung gestalten. In das Leben der Fotografin Edith Tudor-Hart führt ihr Großneffe, Regisseur Peter Stephan Jungk mittels Gespräch und Filmdoku ein, der Komponist Friedrich Cerha wird durch Regisseur Robert Neumüller filmisch porträtiert. Aus dem Leben der Widerstandskämpferin Irma Schwager sowie des koreanischen Freiheitskämpfers Seo Young-Hae erfahren wir durch persönliche Annäherungen von Familienmitgliedern und Freunden, wie z.B. durch Sohn Ernst Schwager, Bärbel Danneberg oder Enkelin Suzie Wong. Der Themenschwerpunkt „Lebensgeschichten“ wird also ein Mix an Selbstpräsentation, Dokumentarfilmen, familiärer Spurensuche und zeitgeschichtlicher Inputs. Wir laden Sie sehr herzlich ein!
Manchmal werden Biografien zu Lebzeiten geschrieben, manchmal machen sich erst nachkommende Generationen auf Spurensuche. In Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung wurde vor einigen Jahren ein Biografien-Wettbewerb ausgeschrieben: Die eingesandten Biografien wurden von einer Jury begutachtet, exemplarisch in der der Süddeutschen vorgestellt und die spannendste Lebensgeschichte wurde verfilmt. Warum? – Biografien sind ein Medium, das die Erinnerungskultur stärkt und Einblicke gibt in unterschiedlichste Zeiten und Lebensmilieus. Auffallend ist der Mangel an Biografien aus der Arbeiterklasse. Auch der Zeitgeist sowie die Veränderungen der Sprache und der Alltagsgeschichte lassen sich mit Hilfe von Biografien erfassen. Biografien können auch Generationen näher zusammenbringen. Mit dem Niederschreiben der Erlebnisse erklären Menschen, warum sie in einer bestimmten Weise gehandelt und gedacht haben. Dadurch kann Vergangenes aufgebrochen, manchmal auch besseres Verstehen in Gang gebracht werden – bei aller Skepsis über die historische Wahrheit von Biografien.


 

POLITIK & GESELLSCHAFT

Bevor der Juni mit Literatur, Musik und Festen vorsommerlich ausklingt, laden wir zu zwei Veranstaltungen in Kooperation mit dem Promedia Verlag. Auf Basis von zwei Büchern und einem Film werden Fakten und Themenstellungen präsentiert, die sich mit aktuellen Krisen und Kriegen befassen. Das Buch "Der Tiefe Staat schlägt zurück" zeigt auf, wie autoritäre Strukturen hinter parlamentarischen Kulissen entstehen. Der Film "Deadly Dust - Todesstaub" basiert wie das zugrundeliegende Buch die Verseuchung der Welt mit Uranmunition.

Die Welt ist für viele Menschen schwierig und komplex geworden. Der Aktionsradius Wien möchte ein Ort des offenen Diskurses sein, ein Freiraum des Denkens, ein Forum das zum Nachdenken, Diskutieren und Reflektieren einlädt. In diesem Sinne – kommen Sie vorbei und diskutieren Sie mit!


   

LITERATUR, FESTE, MUSIK

In der zweiten Junihälfte werden Feiern und Lebensfreude bei uns ganz groß geschrieben und wir freuen uns auf Feste mit Literatur und Musik. Am 16. Juni steht vormittags das pomali-Sommerfest in Kooperation mit der Pfarre Gaußplatz und mit Tony Perez am Saxofon am Programm. Am Abend lädt dann der Bloomsday zu einer Huldigung von James Joyce und zeitgenössicher, literarischer Autoren-Kolleginnen aus Irland in den Aktionsradius. Am 20. Juni spielt Karl Ratzer im Trio im Rahmen des WirsindWien.Festivals im Aktionsradius auf, für diese Veranstaltung ersuchen wir um Voranmeldung.


REISEN – in Länder, Welten, Zeiten

Vom Vagabundieren und Reflektieren (12. Februar bis 9. April 2019)

Im Februar, März, April 2019 lädt der Aktionsradius zum Vagabundieren und Reisen durch ganz unterschiedliche Regionen, Kulturen, Themen, Zeiten, Weltanschauungen … Steigen Sie ein und reisen Sie mit! Hier können Sie den Reise-Flyer abrufen.

Es gibt nichts Lehrreicheres als Reisen. Vor allem, wenn man der Tradition der Bürgerlichen (v.a. Männer) des 19. Jahrhunderts folgt, die die Kunst des Reisens als Erkenntnismethode entwickelten, die Schweizer und österreichische Berge erforschten, inklusive deren mythischen Höhlen, die den Reiz der oberitalienischen Städte in Worte fassten und die von jeder Reise eine Erweiterung des Horizonts ihrer humanistischen Bildung erwarteten. Kurt Tucholsky dazu: Man sollte jedem Deutschen «fünfhundert Mark geben, damit er ins Ausland fahren kann; er würde sich manche Plakatanschauung abgewöhnen, wenn er vorurteilslos genug ist, die Augen aufzumachen.» Alexander von Humboldt über jene Zeitgenossen, die dem Reisen als Persönlichkeitsbildung nichts abgewinnen können: «Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.»

Es gibt nichts Destruktiveres als Reisen. (Ausgenommen: der Krieg sowie das Diktat von Wirtschaftswachstum und Höchstprofit). Konstruktives Reisen, etwa mit einem Esel den Jakobsweg entlangwandern und sich dabei völlig dem Tempo des Tieres unterordnen (was bedeutet: nicht mehr als14 Kilometer pro Tag vorankommen) ist ein Minderheitenprogramm. Die Masse der Reisenden benützt Fortbewegungsmittel, die eigentlich, als Zeichen der fortbestehenden «imperialen Lebensweise» der Menschen, eine Abfuhr verdienten: das Auto, das Flugzeug und das Kreuzfahrtschiff. Alle drei provozieren die zornigsten der kommenden Aufstände gegen den Tourismus (z.B. gegen Autobahnbau und Küstenzerstörung, gegen Flughafen-Pisten, gegen „städtekillende“ Kreuzfahrtindustrie).

Keine Lüge ist größer als die der Reisefreiheit. Jean-Jacques Rousseau dachte nur an sich, als er seine Reiselust so beschrieb, dass es für einen französischen Bauern nur zynisch klingen konnte: «Ich habe nicht nötig, mir gebahnte Wege zu wählen; ich gehe überall durch, wo ein Mensch durchgehen kann; ich sehe alles was ein Mensch sehen kann; und da ich von niemand als von mir selbst abhänge, genieße ich aller Freiheit, deren ein Mensch genießen kann.» Wahrscheinlich war er auch so frei, überall hinzuschwimmen, wo es Wasser zum Schwimmen gibt. Paradox: jetzt, wo es die Freiheit, «überall durchzugehen» nicht mehr gibt, suchen Millionen Menschen ungebahnte Wege – Flüchtlingsrouten von Süd nach Nord und die Routen der Auswanderer von Ost nach West.

Es gibt nichts Vergnüglicheres als das Reisen. Unser Schwerpunkt zum Thema Reisen bringt trotz aller Vorbehalte mehr Propaganda für das Reisen als ein Spezialbüro für All-Inclusive-Angebote. Bei aller Tourismusskepsis: der Aktionsradius wird nicht so töricht sein, die Mitglieder einer von ihm geliebten Zielgruppe in alle Winde zu zerstreuen – jene ZeitgenossInnen, die das Angebot der «Stadtflucht», des ambitionierten Ausflugs-Services des Kulturvereins, bereits genossen haben oder es demnächst genießen werden. Denn, wie sagte Victor Segalen (1878 - 1919): «Ruhe aus vom Lärm in der Stille, und von der Stille kehre zurück in den Lärm». Und wie sagte Grillparzer? «Eine Reise ist ein vortreffliches Heilmittel für verworrene Zustände.»

Nichts eröffnet fremde Welten besser als das Reisen. „Der Weltensammler“ im Roman von Ilija Trojanow nähert sich Natur, Religion und Kultur auf exzessive Weise, er war kein Eroberer, er hat versucht, die vorgefundenen Situationen und Gesellschaften zu verstehen. Als „Weltensammler“ reist der britische Offizier Sir Richard Burton im 19. Jahrhundert anonym in den englischen Kolonialländern herum, aber anstatt hier die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen und jede Anstrengung zu vermeiden, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, erkundet neue Lebensgewohnheiten und vertieft sich in die fremden Religionen.


Arena Bar Jubiläum – Revue und Konzert

60 Jahre Arena Bar – 10 Jahre Bar der Künste (29. Jänner & 1. Februar 2019)

Die Arena Bar feiert 60. Geburtstag
Die Arena Bar der Frau Helene Wanne ist ein für Wien einzigartiges Etablissement mit plüschig-rotem Ambiente, ein Kleinod aus der Zeit des ehemaligen Varietés. Ältere ZeitgenossInnen erinnern sich noch an eindrucksvolle Flamenco-Revues, an Tanzveranstaltungen und an die Zeit der Toreros und der Heumarktringer in der der Arena Bar in den 1960er Jahren. Die Bar wurde 1959 von Helene Wanne und ihrem Mann Mendel eröffnet, der das Lokal zu einer Art „Moulin Rouge“ entwickeln wollte und ein Faible für spanische Kultur hatte. Tapeten und Wandlampen wurden daher direkt aus Spanien importiert, eine Tanz-Arena wurde gestaltet. Berühmte spanische Tänzer und der einzige österreichische Torero, Stephan Hareter, sind hier aufgetreten. Das Fotoalbum von Frau Wanne erinnert an diese Blütezeit des Varietés. Die Bar hat in den vergangenen 60 Jahren eine wechselvolle Geschichte erlebt: Café-Restaurant, Tanzcafé, Flamenco-Lokal, Varieté, Striptease-Lokal, Rotlicht-Etablissement bis zur heutigen „Bar der Künste“. Die mittlerweile über 90-jährige Helene Wanne kommt noch immer mehrmals wöchentlich von 20 Uhr bis 2 Uhr früh ins Lokal, um den Betrieb zu führen, und die wunderbare Arena Bar – heute wieder eine „Bar der Künste“, für ihre Gäste zu öffnen. Hier können Sie den Jubiläumsflyer Arena Bar abrufen.

Die „Bar der Künste“ feiert 10-Jahres-Jubiläum
2019 feiert die Arena Bar das 10-Jahres-Jubiläum der Rückführung des Etablissements zur „Bar der Künste“ durch den Aktionsradius Wien. Vor zehn Jahren hat Robert Sommer die Arena Bar im 5. Bezirk für den Aktionsradius Wien entdeckt, und am 29. Jänner 2009 wurde sie vom Aktionsradius mit der ersten Veranstaltung „Prima Notte Surreal“ wachgeküsst“, gemeinsam mit der Musikerin Tini Trampler erstmals bespielt und über die Jahre zurückverwandelt in eine „Bar der Künste“. Das Ziel war und ist es, ein einzigartiges Varietélokal vor dem Aussterben zu retten, wieder der Kunst zuzuführen und damit auch eine zeitgemäße Form des Varietés neu zu erfinden und in Wien zu etablieren. Es ist gelungen! Heute präsentiert sich die Arena Bar neu belebt als stimmige Location und „Bar der Künste“.

Der Besitzerin Helene Wanne und ihrem verstorbenen Mann ist es zu verdanken, dass die Aura der Gründungszeit in den 1950er Jahren bis ins Detail bewahrt blieb und vielen BesucherInnen fast wie ein „Wunder“ vorkommt. Und es grenzt auch fast an ein Wunder – in einer Zeit, in der draußen in der Stadt sukzessive alles versinkt, was als „unmodern“ gilt und dem Verwertungswahn unterliegt.

Sohn André Wanne ist von Anfang an in das Projekt „eingestiegen“ und unterstützt seit 2009 gemeinsam mit seiner Frau Svetlana eine behutsame Weiterführung, um die „Bar der Künste“ für Gruppen der Gegenwart und auch für die Zukunft zu öffnen. So haben sich in der Arena Bar in den letzten zehn Jahren interessante Kunstprojekte und Veranstaltungsreihen in Kooperation mit dem Aktionsradius Wien etabliert, die 2019 als eigenständige Reihen regelmäßig in der Arena Bar gastieren werden.

Revue und Konzert zum Jubiläum
Zum Auftakt und zum Anlass „60 Jahre Arena Bar – 10 Jahre Bar der Künste“ lädt der Aktionsradius Wien zu zwei Jubiläums-Veranstaltungen: unter Einbeziehung vieler Wegbegleiter und KooperationspartnerInnen der letzten Jahre wird am 29. Jänner eine Jubiläums-Revue und am 1. Februar ein Jubiläums-Konzert gefeiert.