Aktuelle Programmschienen 2019

Hier finden Sie aktuelle Programmschienen 2019 mit einer Vielzahl interessanter Veranstaltungen, zu denen wir Sie ganz herzlich einladen! Im September starten wir mit einer Augartenführung, dem Pomalifest mit "Vienna Russian Brass" und "Kalinka", und einem Marianne-Schoiswohl-Erinnerungsabend. Der Schwerpunkt im Oktober beschäftigt sich dann mit Russland (seiner Geschichte, Kultur, Politik) und im November gehen wir der Frage "Was ist mir heilig" nach. Im Dezember klingt das Jahr dann mit Musik (Ensemble GLAS) und einer Buchpräsentation/Fotoaustellung aus. Schauen Sie oft vorbei, am Gaußplatz 11!


RUSSLAND - Geschichte, Kultur, Politik

Ab Ende September lädt der Aktionsradius mit einer Mischung aus Diskurs und Kunst zu einer Auseinandersetzung mit Russland. Thematisiert werden Geschichte und Gegenwart Russlands, die Spannungen mit der Ukraine, die Beziehungen zu Europa und USA, Erinnerungen an die Russische Revolution und den sowjetischen Gulag – aber auch der russische Futurismus, Literatur, Theater, Musik, Tanz und Folklore fließen ins Herbstprogramm ein.  Hier können Sie den Herbstflyer "Russland" u.a. abrufen.

Russland ist ein Thema, das die Gesellschaft polarisiert. In seinem Buch „Feindbild Russland“ hat Autor Hannes Hofbauer das Phänomen der Russophobie zurückverfolgt bis ins 15. Jahrhundert, als der Zar im Zuge der kriegerischen Reichsbildung gegen Nordwesten zog. Es ging um Herrschaft, Konkurrenz und Meereszugang. Der Kampf um reale wirtschaftliche und (geo)politische Macht wurde auch damals schon ideologisch begleitet: Der Russe galt seinen Gegnern als asiatisch, ungläubig, schmutzig und kriecherisch, Stereotypen, die sich über Jahrhunderte erhalten haben. Das Feindbild-Paradigma zieht sich wie ein roter Faden durch die Rezeption Russlands im Westen.

Für die Zukunft Europas und seine geopolitische Rolle wäre es hingegen sehr wichtig, eine gemeinsame und kooperative Beziehung zu Russland zu entwickeln. Von Erhard Eppler, dem deutschen Entwicklungsminister von 1968 bis 1974, langjährigem Vorsitzenden der SPD-Grundwertekommission und ehemaligen Kirchentagspräsidenten, stammen nachfolgende Anmerkungen dazu:

„Wenn meine Urenkel so alt sein werden wie ich jetzt, wird das 22. Jahrhundert beginnen. Niemand kann voraussagen, wie es dann auf diesem Globus aussieht. Wahrscheinlich ist, dass China dann zur Weltmacht, vielleicht zur Weltmacht Nr. 1 aufgestiegen ist. Die USA könnten noch eine Weltmacht sein, aber vermutlich nicht mehr d i e Weltmacht. Und Europa? Wenn es nicht in nationaler Eigenbrötelei auseinanderläuft, wird es wirtschaftlich, kulturell und wohl auch politisch mithalten können. Gelingt es, Russland an dieses Europa zu binden, wird es auch militärisch einigermaßen gesichert sein. Seine Außengrenzen liegen dann irgendwo in Sibirien. Ein gutes Verhältnis zu den USA bedeutet dann für Europa keine strenge Abhängigkeit. Anders sieht es aus, wenn europäischer Hochmut, verbunden mit amerikanischen Einflüsterungen, Russland dahin drängt, wohin es eigentlich nicht will: an die Seite Chinas. Ein chinesisch-russischer Block von Peking bis Königsberg macht Europa extrem verletzlich.“ (Blätter für deutsche/internationale Politik, Juli 2015)


WAS MIR HEILIG IST

Nur die wenigsten Menschen, auch in einer sehr christlich geprägten Umgebung, würden die unvermittelt gestellte Frage «Was ist dir heilig?» mit «Gott» beantworten, obwohl der Geist der Bibel eine solche Antwort aufdrängt. Religionskritische, säkularisierte ZeitgenossInnen sollten sich darüber aber nicht sehr freuen. Denn in unserer spätkapitalistischen Epoche ist Gott längst ersetzt durch Werbung, Marke, Geld, Konsum, sodass dem rar werdenden Bekenntnis zu Gott, wenn es ernst gemeint ist, etwas Subversives anhaftet. Die Werbung macht kein Hehl daraus, in die Fußstapfen der Religiosität zu treten.

Dorothee Sölle, die protestantische Vertreterin einer neuen politischen Theologie, griff diesen Gedanken auf und beschrieb den «Gott der Werbung» als einen totalitären Gott, der zwar den Menschen Heil verspreche, aber dafür auch deren totale Unterwerfung fordere. Diese Mahnungen scheinen zu spät zu kommen. Der Kapitalismus ist über die bloße Werbung hinaus zur Strategie der direkten religiösen Sinnstiftung übergegangen.

Abseits der religiösen Dogmen und der kapitalistischen Hybris, die Spiritualität der Menschen in Bahnen zu lenken, die zu einer Vergötzung der Ware bzw. der Marke führen, möchte der Aktionsradius Wien mit seiner – die Frommen und die Unfrommen ansprechenden – Veranstaltungsserie WAS UNS HEILIG IST auf die Dinge aufmerksam machen, die uns Menschen Orientierung und Halt geben, die für uns Erfüllung und Glück bedeuten. Das kann viel sein – selbst der Moment des morgendlichen Anlegens der Uniform, die einen jungen Polizisten vom Status des Privatmenschen in einen Vertreter des Staates verwandelt. Selbst in alltäglichsten Momenten kann ein Hauch des «Göttlichen» spürbar sein, und auch bekennende Linke sind «gottseidank» nicht frei davon. Im Gegenteil: sie haben die Feststellung «Das ist mir heilig» zum Synonym für «Das ist mir sehr, sehr wichtig» gemacht und zu einem neuen Bild von «Heiligkeit» beigetragen.

Hier können Sie den Herbstflyer "Was mir heilig ist" u.a. abrufen.